Für meinen Deutschlehrer,
ein großer Fan von Peter Bichsel und dessen Art zu Schreiben.
Sechs
Kartons. Drei große, quadratische und drei längliche, rechteckige, voller
Bücher und Zeitschriften, alten Kuscheltieren und Erinnerungen. Zwei große
Taschen voller Kleidung, in der Wohnung in ihrem alten Zimmer standen noch ein
Bett, ein Schreibtisch und zwei Regale.
„Vier
Fuhren“, schätzte die Mutter und hievte die beiden Taschen in den Kofferraum.
Das Auto war klein, der Kofferraum nicht für einen Umzug gebaut worden.
„Vier
Fuhren, dann ist es geschafft.“
Hundert
Fuhren wären ihr wohl lieber gewesen.
Zwei
Taschen und ein Karton fanden Platz. Sie fuhren los, der Vater schweigt, die
Mutter plappert. Sie selbst, auf dem Rücksitz, schweigt auch, weiß nicht, was
sie sagen soll. Wieviel sie sagen soll.
Ein Karton.
Nur ein Karton hatte Platz gefunden.
Das Auto
hielt. Ein Karton und zwei Taschen wurden herauf getragen, ins Erdgeschoss, Hochparterre, das neue Zimmer war halb so groß wie ihr altes.
„Noch drei
Fuhren“, sagte die Mutter mit einem Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte.
Die Eltern fuhren ab, sie blieb zurück.
Und sie
kamen wieder.
„Drei
Kartons“, sagte die Mutter, schwitzend, es war Hochsommer, dreißig Grad plus.
„Noch zwei Fuhren.“
„Wir
mussten das Bett auseinander nehmen“, sagte der Vater, als sie wiederkamen,
erschöpft vom Tragen und Fahren, genervt von dem stockenden Verkehr und der
Hitze. „Es wird länger dauern.“
Mittags
rief die kleine Schwester an. Fragte, wie lange es noch dauern würde, sie hätte
Hunger. Die Mutter versprach, ihr während einer Fuhre etwas zum Essen
mitzubringen.
Eigentlich
wollten sie Mittags fertig sein.
Der
Schreibtisch passte auch nicht in einem Stück rein. Sie brauchten Stunden, bis
er abgebaut, verstaut und wieder aufgebaut war.
Die Sonne
ging unter.
Es war
Hochsommer, dreißig Grad.
„Noch eine
Fuhre“, sagte die Mutter gegen abend. „Noch eine Fuhre.“ Sie lächelte nicht
mehr.
Die Regale
wurden gebracht.
Schweigend
stieg der Vater wieder ins Auto, startete den Motor. Die Mutter räumte in der
Küche herum, plauderte, schrieb der kleinen Schwester, es ist spät geworden,
sie kämen gleich heim.
Ohne die
Große.
„Ruf an“,
bat die Mutter, wünsche eine Gute Nacht. Wie früher, wie immer, wie vor den
sechs Kartons und als die Möbel noch im alten Zimmer standen.
Sie stiegen
ein und fuhren.
Sechs
Kartons und zwei Taschen standen in dem neuen Zimmer.
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